Der erste Block

15 10 2009

…klinische Pharmakologie. Incl. Bandvorlesung Chirurgie und Innere. Fast vorbei. Wieder einmal arrogante Chefärzte genossen. Ist ja nix neues. Aber mit welch herablassender Art über Patienten und Kollegen hergezogen wurde – auch nix neues. Ja, wir wissen es! Erst kommen SIE, dann der blaue Himmel, und dann erstmal gaaaaar nichts. Und dann der Pöbel. Recht so. Mit solch einem Menschenbild wird das Vertrauen in die Medizin gestärkt. Genau so. Danke, daß wir so viel von Ihnen lernen durften, ähhh, dürfen.

*Kniefall*





Exzellente Vorbereitung auf meinen 2. Beruf

10 10 2009

Ich weiss offen gestanden gar nicht, ob ich heulen oder lachen soll. Deshalb schreibe ich erst einmal. Es ist ja nicht so, als hätte ich das nicht schon seit Ewigkeiten gewusst: Der Arztberuf besteht aus maximal 30% Tätigkeiten am Patienten (und dann auch idealerweise FÜR den Patienten) und die restlichen 70% gehen für bürokratische sinnbefreite Tätigkeiten drauf.  Das Reizwort für diese Tätigkeiten lautet ADMINISTRATION.

Nun ist es vielleicht gar nicht schlecht, sich schon früh daran zu gewöhnen – meint wohl unser Studiendekanat – und dieses hat sich dann ein ganz besonderes Schmankerl einfallen lassen: Die stündlich zu verrichtenden Bürokratietätigkeiten nach jeder Stunde eines Tages, die nächsten 2 Jahre lang! Ja, ihr habt richtig gehört! Jede gehaltene Stunde muss gesondert mit einer Unterschrift des jeweiligen Dozenten quittiert werden.  Das sind im mittel 20 Unterschriften pro Modul, wobei ein Modul 5 Tage dauert. Damit nicht genug. Am Ende eines solchen Moduls gibt es noch eine gesonderten Gesamtlaufzettel, der ebenfalls unterschrieben werden muss. Die Unterschrift gibt es aber erst, wenn jede einzelne Stunde eines Moduls zwangsevaluiert wurde.

Jede Woche gibt es einen neuen Stundenplan.  An dem Wochenende vor Beginn eines neuen Moduls müssen wir uns über verschiedene Webseiten über Terminänderungen informieren. Für den Fall, daß tagesaktuelle Terminänderungen hereinkommen, stehen stehen uns im Schnitt pro Tag 5 verschiedene Funknummern zur Verfügung, mit Hilfe derer wir unsere Dozenten an ihre Lehrtätigkeit erinnern dürfen.

Ich glaube, so manch ein Medizinstudent dürfte hier schon ab und an mit der Einstellung einer persönlichen Sekretärin oder mit der Beschäftigung eines Dokumentationsassistenten geliebäugelt haben.

Was ich an der ganzen Angelegenheit wirklich schlimm finde (abgesehen davon, daß es unglaublich nervig ist) ist die Tatsache, daß die Aufmerksamkeit von den wirklich wichtigen Inhalten, die ein solches Studium bietet, abgelenkt wird. Wir sind nur noch mit dem Zettelkram und irgendwelchen Regularien beschäftigt.

Neulich bekamen wir eine Eilmeldung per Mail, die uns verbietet, mit Schnupfen, Husten und anderen Zeichen einer (vielleicht banalen?) Erkältung am Unterricht teilzunehmen, da man sich entschlossen hat, auf der Welle der Schweinegrippe-Hysterie zu surfen. Da der eine oder andere natürlicherweise die maximal erlaubten 15% Fehlzeiten überschreiten wird, wird die Bürokratie-Maschinerie (Betriebsarzt, Bescheinigungen, glaubhafte Versicherungen an das Studiendekanat, Wiederholungstermine usw. usf. ect. pp.) hier erst richtig in Gang gesetzt.

Ich bin so froh , wenn diese 2 Jahre um sind. Dann wird es nur noch schlimmer.