…oder auch: was nichts kostet, ist auch nichts wert.
Dieser Spruch ist keine leere Hülse. Da bittet ein jetzt gut verdienender Arbeitnehmer (den ich noch aus gemeinsamen Uni-Zeiten kenne) mich um einen „kleinen“ Gefallen. „Mal eben“ seine Dissertation überfliegen, die ohne Korrektur keine Chance auf Annahme hat. So schlecht ist sie. Nicht von der Thematik oder dem reinen Ergebnisteil. Aber darauf kommt es ja auch nicht an. Es liegt nunmal nicht jedem, wissenschaftlich zu arbeiten, gut strukturiert Arbeiten aufzubauen und zu präsentieren und Gutachtern gerecht zu werden. Aber dafür gibt es ja auch andere Menschen, die einem dabei helfen können. Aus dieser Kleinigkeit wurde dann schnell eine Großigkeit. Derjenige war wirklich dankbar, keine Frage. Und mit großen Worten wurde angekündigt, daß er sich erkenntlich zeigen würde. Schließlich habe ich ihn ja auch am Haarschopf aus der stinkenden Brühe gezogen. So ein akademischer Grad ist nicht nur etwas für das heimische Klingelschild sondern auch oft Voraussetzung für eine höhere Gehaltsstufe oder die Nutzung von Chancen, aufzusteigen, je nachdem, welchen Weg man einschlägt.
Die Dissertation ist durch.
Und es ward nie wieder etwas von ihm gehört.
Nun, ich zähle durch den Beginn eines Zweitstudiums immer noch zu den studentischen Gehaltsempfängern. Habe aber seit vielen Jahren ein anspruchsvollen Studiengang mit Erfolg abgeschlossen. Arbeiten, die ich auf diesem Gebiet leiste, sind keine Schülerübungen – sie sind etwas wert! Um diese Kenntnisse zu erlangen, die ich heute besitze, habe ich hart gearbeitet, Erfahrungen gesammelt, eine Menge Geld in meine Ausbildung gepumpt,ein Gespür dafür entwickelt, die Dinge gut zu platzieren und ein gutes Netzwerk aufgebaut, wovon im o.g. Fall kräftig profitiert wurde. Ich kann mir keinen Urlaub leisten. Aber diejenigen, die es können, wissen scheinbar nicht, daß sie diesen auf meine Kosten buchen. Sicher wird der eine oder andere sich jetzt denken: dann hättest Du von vornherein die Spielregeln deutlich machen können. Ja. Und genau das tue ich jetzt auch. Denn offensichtlich funktioniert es nicht anders. Es gibt Menschen, die gehen mit den Ressourcen anderer um, als wären sie in einer Shopping Mall zum Schlussverkauf. Aber mit der Grundhaltung: Geschenkt ist noch zu teuer!
Es ist nicht die einzige Erfahrung, die ich diesbezüglich machen durfte, aber die jüngste. Und allein bin ich mit dieser Thematik auch nicht. Vielleicht sind die medizinischen Berufe prädestiniert dafür, daß 24/7 die Türen offen stehen. Egal, ob es sich um medizinische Hilfeleistung oder private Erörterung diverser Probleme handelt, sie haben zu jeder Zeit zu erfolgen. Und umsonst. Ohne Rücksicht darauf, ob der eigene Energiepegel einen roten Balken zeigt. Ein Friseur nimmt für einen abendlich „Notfall“-Schnitt das doppelte, wenn er Zeit und Lust dazu hat. Und wenn es den Frisurnotfall abends in der Kneipe überhaupt gibt. Aber der Arzt hat kein Feierabend. Auch die natürliche Barriere „Privatsphäre“ wird leicht durchbrochen. Da wartet man nicht brav bis zum nächsten Tag und macht einen Termin in der Praxis aus, welcher dann auch vergütet wird. Nein, die Privatnummer wird angerufen und der ganze seelische Müll einem vor die Füße gereihert. Bis man leer ist. Und der andere den Mist dann auffegen darf. Wo bleibt da die Wertschätzung? Die Achtsamkeit? Die Achtung? Die Anerkennung? Die Verantwortlichkeit im Umgang mit anderen?
Es spielt keine Rolle, ob es sich um Dienstleistungen handelt oder freundschaftliche Hilfestellung. Wenn das Geben und Nehmen nicht ausbalanciert ist, entsteht ein Defizit. Solch ein Defizit ergibt sich immer dann, wenn Arbeiten oder Energien, welche man in die Lösung eines Problems hineinfliessen ließ, nicht geachtet werden. Das ist respektlos, gedankenlos, egoistisch und geringschätzend. Man muss seine Arbeit richtig teuer machen. Damit auch andere sehen, daß sie etwas wert ist.
Manche Dinge kann man aber auch nicht mit Geld aufwiegen. Sie sind schlichtweg unbezahlbar. Vielleicht sollte das der eine oder andere bedenken, wenn er auf egomanische und gedankenlose Art Ressourcen anderer anzapft. Und ein wenig mehr Wertschätzung an den Tag legen….
kenn ich leider nur zu gut …. 24/7 dienst und availability – und schwer beleidigte bekannte (freunde nicht), wenn ich um 23h kein seit jahren bestehendes problem „akut“ lösen will, das eigentlich auch einen anderen behandler hat, etc pp
das mit der diss würd ich nicht so stehen lassen – mail dem herrn doch mal den link zum blogartikel hier…
Tja,
ich glaub, das Wort ist im Vokabular vieler Leute nicht vorhanden. Oder dort nur als Fremdwort ohne nähere Erläuterung zu finden. Eine solche Wertschätzung sollte eigentlich selbstverständlich sein, eigentlich … Aber das hat ja mit Erziehung zu tun, die viele heute gar nicht oder nur sporadisch geniessen (dürfen) — vielleicht hat er bei dem Thema gefehlt?